Mo. Jul 22nd, 2024

Nachhaltigkeit ist der Chefin und Winzerin des Weingutes Georg Breuer, in Rüdesheim, so wichtig, wie die weltbekannte Qualität ihrer Weine. Das Weingut Georg Breuer ist eines der weltweit bekanntesten Weingüter Deutschlands und des Rheingaus.

Vorwort zu diesem Interview

Das Weingut Georg Breuer gehört zu den besten und bekanntesten Weingütern Deutschlands und genießt ebenso einen internationalen Ruf! Ein weltbekanntes deutsches Weingut also!

Der Berg Schloßberg ist eine der ältesten Spitzenlagen im Rheingau – in Rüdesheim – und Teil des Rheingauer Bergs. Neben den hervorragenden Weinen aus dem Nonnenberg (Rauenthal), des Berg Roseneck (Rüdesheim) und der Pfaffenwies (Lorch) gehört für mich persönlich der Riesling aus dem Berg Schloßberg des Weingutes Georg Breuer zum BESTEN und FEINSTEN, dass ich jemals genießen durfte.

In ewiger, ehrfürchtiger und freudigster Erinnerung wird mir der Jahrgang 2013, aus diesem Weinberg bleiben.

In Theresa Breuer hatte ich eine charmante, kompetente und absolut offene Interview-Partnerin. Dass Theresa Breuer sich hierfür Zeit genommen hat, empfinde ich als große Ehre und es war beeindruckend erleben zu dürfen wie kompetent und sachlich diese Winzerin sich dem Thema Nachhaltigkeit im Weinbau widmet.

Dafür bedanke ich mich herzlichst!

Ich bin mir sicher, dass es eine Leuchtturmfunktion hat, wenn sich solche bekannten deutschen Winzer und Weingüter klar zum Thema Nachhaltigkeit bekennen und darüber berichtet wird.

Die Mitgliedschaft des Weingutes Georg Breuer bei FAIR’N GREEN ist ein klares Statement für einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Weinbau – nicht nur in Deutschland! Mit dem Wissen, dass Theresa Breuer es ernst meint mit mehr Nachhaltigkeit in ihrem Weingut Georg Breuer, werde ich zukünftig diese Weine mit einem noch größeren Respekt, Trinkfreude und schließlich einem «guten Gefühl» genießen.

Denn was ist wertvoller und schöner, für einen Weintrinker, als zu wissen, dass die Menschen die diese herrlichen Weine «machen» mit Leib und Seele, neben großem handwerklichem Können, dabei sind, wenn es um IHREN Wein geht?!

Ich zolle allen Beteiligten – gerne und herzlich – jedweden Respekt, vom Kellermeister, über den Auszubildenden, die helfenden Hände bei der Weinlese und schließlich den Winzern, die uns mit ihrer Hände Arbeit so reich beschenken. Jahr für Jahr, Generation für Generation.

Andy Walther im November 2021 – Fotos u. Interview © 2021 by Andy Walther

Theresa Breuer in der Vinothek des Weingutes Georg Breuer

Was macht ein Winzer, der nachhaltig arbeitet anders, als ein Winzer, der dies nicht tut?

Theresa Breuer: Tatsächlich arbeitet im Idealfall jeder Winzer nachhaltig oder zumindest schonmal in einer Dimension der Nachhaltigkeit, weil wir uns ja in einem wahnsinnig langen Prozess befinden. Also wir Winzer arbeiten quasi immer mit einem Generationenvertrag und allein das ist, im Vergleich zu vielem Anderen, was heutzutage passiert, schon ziemlich nachhaltig. Eben dass man als Winzer dieses Bewusstsein immer mit sich trägt.

Natürlich ist Nachhaltigkeit tatsächlich messbar, lässt sich in Raster bringen und ist ganzheitlich zu sehen. Die drei Säulen die Nachhaltigkeit definieren, nämlich Ökologie, Wirtschaft und Soziales werden bei uns im Weingut Breuer gelebt.

Im ersten Moment denkt man evtl. bei der Frage nach nachhaltigem Weinbau an eine rein biologische Bewirtschaftung, da es sich ja um einen landwirtschaftlichen Produktionszweig handelt.

Die biologische Bewirtschaftung von Weinbergen ist wichtig und kann ein wichtiger Grundstein für nachhaltiges Wirtschaften sein.
Damit allein ist es aber nicht getan!

Nachhaltigkeit hat im Weinbau grundsätzlich eine große Selbstverständlichkeit und das bedeutet eben nicht nur schwarz oder weiß zu denken.

Nicht jeder nachhaltig zertifizierte Betrieb ist zu 100% ein Ökobetrieb oder könnte zu 100% ein Ökobetrieb sein. Gleichzeitig ist nicht jeder Ökobetrieb automatisch nachhaltig.

Das Thema Nachhaltigkeit ist tatsächlich komplex und das nicht nur im Weinbau.

In Deutschland ist das Thema Nachhaltigkeit im Weinbau kaum angekratzt. Wir haben in Deutschland im Weinbau das Glück, dass wir viele Vorschusslorbeeren haben.

Was ich meine ist, dass fast jeder Weintrinker eine romantisierte Vorstellung vom Weinbau hat und das Thema Wein in Deutschland grundsätzlich positiv besetzt ist. Diese Vorstellung und Wahrnehmung möchte ich hier auf keinen Fall zerstören, weil’s ja eine tolle Sache ist, wenn man in und mit der Natur arbeiten kann und darf.

Es gibt im Weinbau viele Momente, in denen man sich entscheiden kann dieses oder jenes zu tun!
Der Winzer kann sich für unterschiedliche Wege entscheiden und wir sind zum Glück mittlerweile nicht mehr in einer Phase während der Entscheidungen auf den höchstmöglichen Ertrag hin und damit die höchstmögliche Menge an geernteten Trauben allein abzielen.

Im Gegenteil sind der Schwerpunkt und das Bewusstsein inzwischen auf Qualität und Erhaltung ausgelegt und damit wird Nachhaltigkeit im Weinbau aus meiner Sicht zu einem unumgänglichen Thema.

Nachhaltiger Weinbau ist nicht der einfachste und bequemste Weg.

Was wiederum nicht bedeutet, dass eine heute unbequeme Entscheidung mich nicht in die Lage versetzt in zwei oder drei Jahren deutlich bequemer arbeiten zu können. Nachhaltiges Handeln ist immer im Großen und Ganzen zu sehen. Es sind verschiedene Achsen, die sich schneiden und Nachhaltigkeit ist ein vielschichtiger, komplexer Themenbereich, nicht nur im Weinbau.

Wir produzieren nicht einen oder den nachhaltigen Wein, das funktioniert nicht. Entweder ist man als Weingut nachhaltig oder zumindest in einer Mischform und dadurch auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit oder eben nicht.

Theresa Breuer mit ihrem Terra Montosa Jahrgänge 2018 & 2019

Treibt eine Theresa Breuer auch im Privaten das Thema Nachhaltigkeit um?
Achten Sie privat auf Nachhaltigkeit bzw. gibt es im Privaten Überschneidungen oder eine Mischung mit dem Beruflichen, als Winzerin? Spielen dabei die Generationen vor Ihnen eine Rolle?

Theresa Breuer: Es ist eine Mischung und ein sich überschneiden auf vielen Wegen. Wir und viele andere deutschen Weingüter schwimmen auf einer Luxuswelle. So viel Zuspruch und Wertschätzung, wie wir sie seit einigen Jahren erfahren hat es so zuvor selten gegeben. Uns geht es diesbezüglich so gut wie noch nie! Ich glaube, das ist dann ein Generationsding!

Ist man dadurch als Weingut und Winzer in der glücklichen Lage nicht um die Existenz kämpfen zu müssen beginnt man sich mit den Dingen drum herum zu befassen. Das ist etwas, dass in unserer Winzergeneration gerade stattfindet.

Diejenigen von uns die sich jetzt bewusst für Wein entscheiden, haben ein besonderes Bewusstsein und Gefühl bezüglich ihres Erbes.

Da das Familienerbe da ist und auch die Vielseitigkeit unserer Arbeit als Winzer gegeben ist und es eben nicht nur um die Knüppelei im Weinberg geht und weil genug attraktives drum herum ist, um Nachfolge überhaupt zu schaffen, wertschätzen wir das Erbe und damit die eigenen Möglichkeiten sehr bewusst.

Dieses Bewusstsein, dass es etwas Einzigartiges ist auf Weinbergen zu arbeiten, die in einer Kulturlandschaft liegen und seit Generationen dort bewirtschaftet werden, bringt viel in Bewegung und macht klar, dass dies die Basis für das ist, was wir heute tun und dass es das zu erhalten gilt. Dann ist eine nachhaltige Denke eine ganz logische Denke!

Ich glaube familiengeführte Weingüter lassen sich nicht trennen in: Wie lebe ich und wie arbeite ich? Mein Leben ist unser Weingut, insofern gibt es da keine Trennung! Ich selbst bin kein hundertprozentiger Öko. Ich kaufe auch mal einen Schinken in der Plastikverpackung und will mich tatsächlich nicht von solchen kleinen »Umweltverbrechen« freisprechen. Aber ich habe trotzdem eine Sensibilität für die Dinge. Ich gehe mit den großen Entscheidungen sehr bewusst um und dann ziehen sich andere Bereiche nach. Nachhaltig Handeln bedeutet Abwägen und Entscheidungen treffen. Es geht nicht darum, einen Weinberg auf biegen und brechen ökologisch zu bewirtschaften und dann aber jede Menge Überfahrten mit Maschinen zu haben, den Boden zu verdichten, Artenvielfalt zu stoppen und Diesel in die Luft zu blasen. Das ist nicht das Ziel!

Es muss immer abgewogen werden!

Wir bewirtschaften unsere Weinberge ökologisch, sind aber gleichzeitig bestrebt, gedanklich offen zu bleiben, für neue Entwicklungen und Techniken.

Beispiel Pflanzenschutz. Wir haben, als Weingut Georg Breuer, einen gewissen Grad der Risikobereitschaft entwickelt, um eben den Pflanzenschutz nachhaltiger zu machen. Unsere Philosophie geht eher in die Richtung der Pflanzenstärkung durch diverse ökologische Maßnahmen im Weinberg, weil wir glauben, dass eine starke Rebe eher einem wetterbedingten entstehenden Infektionsdruck gewachsen ist.

Ein erklärtes und praktiziertes Ziel unseres Weingutes ist es, immer genau zu schauen und abzuwägen mit wie wenig Rebenbehandlungen wir klarkommen.

Das ist natürlich immer witterungsabhängig.

Dieses Abwägen und genau hinsehen, um bewusste Entscheidungen treffen zu können, ist für uns als Weingut und die Qualität der Weine wertvoll und von größter Bedeutung!

Es bildet einen, nämlich unseren Entwicklungsprozess in Richtung mehr Nachhaltigkeit, ab. Was die Zertifizierung als nachhaltiges Weingut von der Zertifizierung als ökologischem Betrieb unterscheidet, ist das Thema Entwicklung.

Unter dem Label FAIR’N GREEN, unter dem wir als nachhaltiges Weingut zertifiziert sind, muss jährlich eine Verbesserung stattfinden.

FAIR’N GREEN ist aktuell die einzige Zertifizierung, die den Weinbau in Deutschland explizit unter eine Nachhaltigkeitsprüfung stellt. Die Mitgliedschaft bei FAIR’N GREEN fordert uns als Weingut heraus, weil wir in einem stetigen Prozess der Weiterentwicklung stehen und unser handeln und tun immer wieder Reflektieren, einordnen und optimieren.

Nachhaltigkeit bedeutet für ein Weingut – neben den diversen positiven Effekten für die Umwelt und das Klima – einen Mehraufwand bei der Bewirtschaftung der Weinberge und im Weinkeller.

Die Dokumentation des kompletten Weinjahres kostet Zeit und Kraft. Sorgt jedoch gleichzeitig dafür, dass wir ständig das Ziel vor Augen haben was wir aktiv tun können, um beim Thema Nachhaltigkeit, als Weingut, immer besser zu werden.

Das ist aus unserer Sicht absolut zeitgemäß und notwendig. Damit auch zukünftige Generationen Weinbau betreiben können und dafür eine entsprechend gute Grundlage haben ist es aus meiner Sicht unabdingbar, heute alles dafür zu tun, dass das gelingt. Da sehe ich unsere Generation in der Verantwortung und dieser Verantwortung stellen wir uns tagtäglich aktiv, bei unserer Arbeit im Weingut Breuer.

Das Thema Nachhaltigkeit im Weinbau findet allmählich den Weg in die Köpfe und das Bewusstsein der Gesellschaft und wird in der Zukunft immer präsenter werden und das ist gut und richtig so“, stellt Theresa Breuer abschließend zu diesem Interview fest.

Theresa Breuer mit Marina Schuster, bei der Weinverkostung im Rahmen des Interviews zum Thema Nachhaltigkeit.
Bei dieser Gelegenheit haben die beiden Powerfrauen sich kennengelernt und eine Zusammenarbeit verabredet.

Die Weine von Theresa Breuer bei Natürlich Wein

https://www.natuerlich-wein.de/search?sSearch=Georg+Breuer

Die Weine des Weingutes Georg Breuer

http://georg-breuer.com/index.php?s=weine

Bezugsquellen für die Weine von Theresa Breuer vom Weingut Georg Breuer

http://georg-breuer.com/index.php?s=weine#bezugsquellen

Lesetipp zum Thema Weingut Georg Breuer!

„Von 1999 bis 2004 schrieb Bernhard Breuer ein Internet-Tagebuch, in dem er Ereignisse des Betriebsgeschehens des Weingut Georg Breuer und Eindrücke seiner vielfältigen Reisetätigkeit festhielt.“
http://georg-breuer.com/index.php?s=weingut

Das Interview mit Theresa Breuer zum Thema Nachhaltigkeit im Weinbau als Download im PDF-Format:

https://mit-leib-und-seel.de/wp-content/uploads/2022/06/Interview-mit-Theresa-Breuer.pdf